Kreuzweg Station 4

4. Station: „Die Hand reichen“ – helfen

Jesus erfĂ€hrt auf seinem letzten Weg großen Hass und Ablehnung, bitteren Spott und Verachtung. Aber das ist nicht alles. Es gibt auch andere Menschen. Diese lassen sich von seinem Leid an-gehen, so dass sein Kreuz auch sie etwas angeht.
Da ist Maria, seine Mutter, die da ist. Sie hilft, obwohl sie nichts Ă€ndern kann, einfach dadurch, dass sie am Weg steht und wenigstens ein StĂŒck weit mitgeht.
Da ist Simon von Cyrene, der hilft, indem er das Kreuz Jesu wenigstens ein StĂŒck weit mittrĂ€gt. Da ist Veronika, die hilft, indem sie mit ihrem Tuch Jesus das Gesicht trocknet und ihn so ein StĂŒck weit tröstet.
FĂŒr diese drei ist klar: Sie lassen sich vom Leid anderer angehen, weil es sie etwas angeht; sie helfen und sind da; sie mischen sich ein und schauen nicht einfach weg…
Damit werden drei Menschen zu Lichtblicken inmitten der Dunkelheit von Hass und Gewalt.

Das Bild zeigt es:

  • Da sind HĂ€nde, die zugreifen und aufhelfen, ohne ein großes Aufheben daraus zu machen…
  • Da sind HĂ€nde, die Hilfe brauchen und die dankbar die rettende Hand ergreifen…
  • Da geschieht Begegnung, weil sich Menschen vom Leid anderer angehen lassen…

Was damals in Jerusalem geschah, wiederholt sich heute…

  • Menschen lassen sich angehen vom Leid anderer, weil sie spĂŒren, dass es auch sie etwas angeht…
  • Menschen schauen nicht einfach unbeteiligt weg, sondern packen zu und helfen, ohne zu rechnen, was sie davon haben…
  • Menschen spĂŒren mitten in ihrem Leid, dass sie nicht allein gelassen werden, sondern dass es andere gibt, die ihnen selbstlos helfen…
Audio-Datei:``die Hand reichen`` abspielen(öffnet neues Fenster)

Wo stehe ich auf diesem Bild? Setze ich mich fĂŒr andere ein oder bleibe ich unbeteiligt? Mische ich mich ein oder halte ich mich Ă€ngstlich heraus?

Auf jeden Fall gilt fĂŒr uns ein Wort des FriedensnobelpreistrĂ€gers Elie Wiesel (1928-2015): „Ich habe mir geschworen, nie zu schweigen, wann immer und wo auch immer menschliche Wesen leiden und Erniedrigung aushalten mĂŒssen. Wir mĂŒssen immer Partei ergreifen. NeutralitĂ€t hilft dem UnterdrĂŒcker, niemals dem Opfer.“

Wenn das stimmt, dann darf ich mich nicht einfach aus allem heraushalten, weil es mich angeblich nichts angeht. Dann muss ich versuchen, mit meinen Mitteln zu helfen, auch wenn ich das ganze Leid nicht einfach beenden oder ungeschehen machen kann.

Jesus erfÀhrt auf seinem Kreuzweg Hilfe, weil sich Menschen von seinem Leid angehen lassen und ihm ihre Hand reichen. Obwohl ihm dies das Kreuz nicht erspart, findet er in diesen Begegnungen Kraft und Zuversicht.

Vielleicht kann auch ich hieraus lernen.

Gebet:

Großer und unbegreiflicher Gott. Wenn Menschen sich vom Leid anderer angehen lassen, geschieht Verwandlung: Dann wĂ€chst mitten im Hass Liebe, dann blĂŒht mitten in der Rohheit ZĂ€rtlichkeit, dann bricht mitten im Sterben Leben auf. Gib uns die Kraft, dass wir helfen und die Hand reichen, wo wir gebraucht werden. Öffne uns, dass wir das Leiden anderer wahrnehmen. Mach uns sensibel dafĂŒr, dass uns Unrecht und das Leid der anderen etwas angehen. StĂ€rke uns, dass wir anfangen, mit unseren Möglichkeiten, etwas zu verĂ€ndern, damit diese Welt friedlicher und gerechter werden kann. Amen.

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