Kreuzweg Station 1

1. Station: Ab-hand-eln – Verurteilen

FĂŒr Kaiphas, den Hohenpriester in Israel, ist die Sache klar: Dieser Jesus, der so unerhört von Gott spricht, hat den Mund zu voll genommen. Ihm gehört der Mund gestopft. Also muss er weg. Auch Pilatus, der politische FĂŒhrer der damaligen Zeit, ist ĂŒberzeugt: Jesus ist ein HochverrĂ€ter. Er stört die Ordnung und muss weg. So senkt er den Daumen und fĂ€llt das Urteil: Tod am Kreuz. FĂŒr beide ist Jesus bloß ein Fall, den sie einfach so schnell „ab-hand-eln“. Auch fĂŒr Teile des Volkes ist klar: Jesus passt nicht in unsere Erwartungen, er muss weg. Sie deuten auf ihn, grenzen ihn aus und stempeln ihn ab.

Das Bild zeigt es:

  • Der Daumen gesenkt – hier wird verurteilt, hier wird die Sache zu Ende gebracht, hier wird „abge-hand-elt“
  • Viele Finger ausgestreckt – hier wird ausgegrenzt, hier wird beschuldigt, hier wird „abge-hand-elt“
  • Und der eine… – muss alles hinnehmen, kann sich nicht wehren, wird „abge-hand-elt“

Was damals in Jerusalem geschah, wiederholt sich heute…

  • Menschen stoßen auf eine Wand aus Vorurteilen…
  • Menschen werden beschuldigt und ausgegrenzt…
  • Menschen werden „abge-hand-elt“, weil sie stören oder weil sie anders sind, weil sie etwas falsch gemacht haben oder schuldig wurden, weil sie nicht passen oder aus dem Rahmen fallen…
Audio-Datei:``Ab-han-deln`` abspielen(öffnet neues Fenster)

Wo stehe ich auf diesem Bild? Verurteile ich – wie Kaiphas oder Pilatus damals? Klage ich an – wie viele damals?

Schaue ich einfach nur weg – wie die meisten damals? Auf jeden Fall gilt fĂŒr mich das Wort Jesu: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“.

Wenn das stimmt, dann darf ich mich nicht ĂŒber andere erheben und schon gar nicht ĂŒber sie den Stab brechen.

Jesus aber wird einfach so „abge-hand-elt“: Er ist nur ein Fall, eine Nummer, einer, den man fertigmacht.

Das darf sich niemals wiederholen.

Gebet:

Großer und unbegreiflicher Gott. Jesus wird verurteilt, die Menschen brechen ĂŒber ihn den Stab und wollen ihn vernichten. Das wiederholt sich auch heute: Menschen werden vielfach ausgegrenzt.

  • Da sind Vorurteile, die jede echte Begegnung unmöglich machen…
  • Da sind VorwĂŒrfe, die Vertrauen zerstören…
  • Da sind Urteile, die andere vernichten…

Gib uns die Kraft, anderen offen und unvoreingenommen zu begegnen. Schenke uns ein weites Herz, das vergeben kann, ohne nachzutragen, und das andere nicht einfach verurteilt, sondern VerstÀndnis zeigen kann. Amen.

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